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Der Bestand wird sichtbar

Inzwischen ist die erste große Etappe der Arbeit der Uwe Johnson-Forschungsstelle abgeschlossen. Der komplette Bestand des Uwe Johnson-Archivs wurde einer ersten Sichtung unterzogen, bei der Umfang, Beschaffenheit und Gliederung aller vorhandenen Manuskripte, Briefe und sonstigen Bestände dokumentiert wurde. Parallel dazu hat die Universitätsbibliothek die Katalogisierung der zum Archiv gehörigen Bibliothek vorangetrieben. Schließlich sind alle zur Benutzung notwendigen juristischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen worden. Die Benutzerordnung ist mit den dazugehörigen Formularen online. Am 17.10.2013, ein Jahr nachdem das Uwe Johnson-Archiv in Rostock eintraf, wird es wieder eröffnet.

Als nächster großer Schritt werden die Bestände des Archivs mithilfe von Kalliope, dem wichtigsten Verbundkatalog für Nachlässe und Autographen in Deutschland, erschlossen. Unter Rückgriff auf die Ergebnisse der Sichtung werden für den Katalog die Metadaten der Nachlassdokumente detailliert erfasst. Dazu gehört auch die Dokumentation  wesentlicher inhaltlicher Aspekte der Archivalien, sodass die Nutzer gezielt nach bestimmten Dokumenten im Nachlass suchen können. Einzelne Briefe, Manuskripte, Lebensdokumente oder auch die umfangreiche Zeitungsausschnittsammlung Uwe Johnsons werden in der Kalliope-Datenbank als Datensatz erfasst, der Aufschluss über Art und Inhalt des zugehörigen Dokuments gibt. Auf diese Weise erhält die Forschung ein Instrument, das einen interessenspezifischen Überblick über die Bestände ermöglicht. Für die Öffentlichkeit wird sichtbar, welchen Umfang das Archiv hat und welche Bestände es enthält.

Die Datensätze, die man bei Kalliope finden kann, sind das sichtbare Ergebnis unserer Arbeit. Was man ihnen nicht ansieht, sind die Zeit und der Aufwand, auf dem sie beruhen. Um einen Datensatz für einen Brief, ein Manuskript oder einen Zeitungsausschnitt zu erstellen, bedarf es oft umfangreicher und sorgfältiger Recherche. In den meisten Fällen können nicht alle notwendigen Daten aus dem Dokument selbst abgelesen werden. Die ergänzenden Recherchen sind je nach Datensatz unterschiedlich. Briefpartner oder Personen, die in Briefen erwähnt werden, müssen identifiziert werden, Briefe im historischen oder politischen Kontext verortet, fehlende Datumsangaben von Zeitungsartikeln ergänzt oder mittlerweile nicht mehr existierende Körperschaften ausfindig gemacht werden. Dazu werden verschiedene digitale und analoge Nachschlagewerke, Bibliographien und Archive genutzt, um alle Daten eines Dokuments zu ermitteln.

Darüber hinaus werden Abstracts erstellt, die Aufschluss über den Inhalt des erfassten Dokuments geben. In Briefen erwähnte Personen, Körperschaften, literarische Werke oder zentrale inhaltliche Schwerpunkte werden verschlagwortet, sodass Nutzer innerhalb des Nachlasses gezielt nach diesen suchen können. Die Verschlagwortung setzt nicht nur eine genaue Kenntnis des Werks und der Archivbestände voraus, sie verlangt auch eine strenge Abstimmung zwischen den Mitarbeitern der Forschungsstelle. Nur so lassen sich sachlich einheitliche und möglichst vollständige Verweise erstellen.

Schließlich enthalten die Datensätze formale Informationen, etwa Blattanzahl und Angaben zum Aufbewahrungsort des Dokuments im Archiv, in welcher Box und Mappe es sich befindet. Auf diese Weise wird bei Nutzeranfragen ein schneller Zugriff ermöglicht.

Dieser kleine Einblick in unsere Arbeit soll verständlich machen, weshalb für das Vorhaben, das gesamte Archivmaterial in den Kalliope-Katalog einzuspeisen, mehrere Jahre vorgesehen sind. Unser Ziel ist es, alle Angaben zum Bestand des Archivs öffentlich einsehbar und durchsuchbar machen. Um schneller und effektiver arbeiten zu können, sind neben den beiden Mitarbeitern und den zwei wissenschaftlichen Hilfskräften inzwischen auch vier studentische Hilfskräfte tätig. Sie stellen sich auf unserer Website vor.

Wer uns beim Arbeiten zusehen und die Erschließung des Archivs verfolgen möchte, kann dies auf dieser Seite tun: http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/. Derzeit kann man über den Bestandsnamen „UJA“ 283 Datensätze [Stand: 09.10.2013] einsehen und wöchentlich werden es mehr.


Die Arbeit hat begonnen

Seit das Uwe Johnson-Archiv im Oktober letzten Jahres in Rostock ankam, ist viel passiert. Der Bestand ist von Julia Bispinck-Roßbacher von der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung der Staatsbibliothek zu Berlin konservatorisch begutachtet worden. Das Ergebnis: Das Material befindet sich insgesamt in einem hervorragenden Zustand. Für die dauerhafte Bestandserhaltung wurden Maßnahmen wie etwa die Lagerung der Briefe und Manuskripte in kleineren Konvoluten oder die Entfernung von Heftklammern empfohlen. Frau Cornelia Chamrad von der Universitätsbibliothek Rostock berät bei der Durchführung dieser Maßnahmen.

Mit Dr. Jutta Weber von der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin und Frau Heike Tröger von der Universitätsbibliothek Rostock haben wir ein Arbeitstreffen absolviert, um das weitere Vorgehen zu beraten. Auf Empfehlung von Frau Dr. Weber haben wir inzwischen die Frankfurter Archivordnung wieder hergestellt. Diese kommt der originären Ordnung des Nachlasses, wie sie in Johnsons Wohnung vorgefunden wurde, am nächsten. Johnson selbst hatte viele Briefe bereits vorsortiert, und damit womöglich für eine Veröffentlichung vorbereitet. Die Rücksortierung hat diese Briefwechsel wieder als solche sichtbar gemacht.

Seit Beginn des Jahres erfolgt bereits die Katalogisierung von Johnsons Bibliothek durch Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Rostock unter der Leitung von Frau Karin Schmidt. Der aktuelle Stand der Arbeit kann hier eingesehen werden.

Der nächste große Schritt wird die detaillierte Erschließung der Manuskript- und Brief-Bestände für die Einbindung in die Kalliope-Datenbank sein. Diese ermöglicht es, anhand der eingearbeiteten Daten, gezielt nach einzelnen Dokumenten und Objekten des Uwe Johnson-Archivs zu suchen. Auf diese Weise wird der Nachlass ›von außen‹ einsehbar und für spezielle Nutzeranfragen durchsuchbar werden. Erste konkrete Nutzungsanfragen sind bereits eingegangen und von uns bearbeitet worden. Wir möchten an dieser Stelle um Verständnis bitten, dass im gegenwärtigen Arbeitsprozess eine fundierte Antwort Zeit benötigt.

Als Vorbereitung für die feingliedrige Erschließung verschaffen wir uns derzeit einen inhaltlichen Gesamtüberblick über das vorhandene Material. Dazu gehört auch, dass die Aufstellung der Materialien für die Nutzung des Archivs optimiert wird. Briefe, Manuskripte und andere Dokumente sollen so bereits vor Abschluss der detaillierten Erschließungsarbeiten für Nutzer zeitnah zugänglich gemacht werden können. Neben der Arbeit am Nachlass nehmen wir an Weiterbildungen, Schulungen und einschlägigen Tagungen teil, um unsere Kenntnisse im Umgang mit Archivalien sowie der inhaltlichen Erschließung zu vertiefen und aktuelle Entwicklungen zu verfolgen.

Die bisherige Arbeit der Forschungsstelle wurde ganz entscheidend durch die Hilfe verschiedener Institute und Einrichtungen gefördert. So haben wir die Rücksortierung im Seminarraum der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek durchgeführt, Räume des Instituts für Biowissenschaften genutzt und uns besonders gefreut, dass wir auch im Kempowski-Archiv-Rostock arbeiten durften. Allen Unterstützern möchten wir an dieser Stelle herzlich danken.

Die folgenden Bilder geben einen Eindruck von der gegenwärtigen Arbeit der Uwe Johnson-Forschungsstelle.

Seminarraum der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock
Seminarraum der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock
Seminarraum der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock
Seminarraum der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock

Im Zoologischen Insitut der Universität Rostock
Im Kempowski-Archiv Rostock

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